Die Katakomben, die man heute besichtigen kann, sind in Wirklichkeit ehemalige Steinbrüche, die Ende des 18. Jahrhunderts in ein gigantisches Beinhaus umgewandelt wurden. Dies ging auf eine Entscheidung des Staatsrats von 1785 zurück, da der Friedhof der Unschuldigen (Cimetière des Innocents) mitten in der Stadt nicht länger als Seuchenherd und Infektionsquelle geduldet werden konnte.
Es wurde beschlossen, die Friedhöfe – darunter den der Unschuldigen, aber auch viele andere – bei Nacht in die Steinbrüche von Tombe-Issoire zu räumen! Schon kurz nach ihrer Entstehung wurden die Katakomben Ziel von Besuchen und geheimen Konzerten, um sich so richtig zu gruseln!!!

Zunächst wirkt der Eingang ziemlich unscheinbar: eine kleine, flaschengrüne Holzbude direkt an der Place Denfert-Rochereau.
Du erkennst sie an der lllllllllangen Warteschlange!!! Ein Tipp: Komm am besten direkt zur Öffnung, also gegen 9:45 Uhr! Ein kleines Schild weist darauf hin, dass sich maximal 200 Personen gleichzeitig auf dem Gelände befinden dürfen, dass du etwa 1,7 km zurücklegst und die Tour rund 45 Minuten dauert.
Achtung: „Weder Toiletten noch eine Garderobe vorhanden“. Dir wird außerdem erklärt, dass dort eine konstante Temperatur von 14°C herrscht und der Rundgang „Personen mit Herz- oder Atemwegserkrankungen, empfindlichen Personen sowie Kleinkindern nicht empfohlen wird. Die Katakomben sind für Menschen mit eingeschränkter Mobilität nicht zugänglich“. Da kann hinterher niemand sagen, man sei nicht gewarnt worden! Wenn du reingehst, tust du das ganz freiwillig!… Bereit?




Nach all diesen Hinweisen betrittst du also endlich das Allerheiligste: An einem kleinen Schalter holst du dir dein Ticket und einen Audioguide (für 3 € solltest du dir den bloß nicht entgehen lassen!), und dann geht es erst einmal 130 Stufen eine enge Wendeltreppe hinab! Wie in einem Leuchtturm, nur dass du eben nach unten steigst, um die Besichtigung zu starten!
Die Temperatur ist tatsächlich angenehm. Da die Beleuchtung jedoch sehr gedimmt ist, solltest du unbedingt eine richtig helle Taschenlampe mitbringen: Sie wird dir während deines gesamten … Spaziergangs sehr nützlich sein! Denk außerdem an gutes Schuhwerk, da der Boden an einigen Stellen rutschig ist.
Unten angekommen dreht sich erst mal kurz der Kopf! Das ist ganz normal, du bist schließlich gerade 130 Stufen hinabgestiegen! Du wirst nun die Steinbrüche entdecken – beziehungsweise einen ganz kleinen Teil davon –, die unter Paris liegen, und mehr über ihre Geschichte erfahren (leve der Audioguide).




Lange, schwach beleuchtete Gänge vermitteln dir einen sehr guten Eindruck von der Atmosphäre, in der die Arbeiter einst die Gesteinsblöcke herausbrachen, um die Stadt da oben zu erbauen! Das ist beeindruckend… Man sollte weder unter Klaustrophobie leiden noch besonders groß sein!
An einigen Stellen müssen Personen über 1,80 m gut auf ihren Kopf aufpassen! Eigentlich geht es durch diese Gänge gar nicht einfach nur geradeaus, sondern man folgt einem echten Labyrinth, das einige Überraschungen bereithält (pärschchen, die Überraschungen werden nicht verraten) und dich vor allem zum Beinhaus führt! „HALT! HIER IST DAS REICH DES TODES“…

Die Beleuchtung ist nach wie vor spärlich, und du befindest dich plötzlich zwischen zwei Wänden aus Knochen, die zu geometrischen Mustern (Fischgrätenmuster usw.) oder Formen (Herzen, Kreuzen…) aufgeschichtet wurden.
Kein Blitzlicht, wie ich bereits erwähnt habe, weshalb deine Fotos einen etwas gespenstischen, seltsamen Look bekommen werden… Zum Glück haben einige der Aufseher Taschenlampen dabei, um bestimmte Details anzuleuchten… Nach diesem Ausflug zu den Toten heißt es dann: 83 Stufen wieder hinaufsteigen!
Hol tief Luft und… ab geht es ins Drehkreuz! Achtung, die Treppe ist genauso schaurig beleuchtet wie die erste und verdammt eng! Schließlich gelangst du wieder ans Tageslicht, ans Licht und… stehst direkt vor einem Souvenirshop „Catacombes de Paris“!! Clever!




Es ist wirklich faszinierend, sich diese nächtliche Verlegung ganzer Friedhöfe vorzustellen… das muss alles andere als leicht gewesen sein! Es ist zudem berührend zu sehen, wie viel Sorgfalt diesen unbekannten Verstorbenen entgegengebracht wurde – dieser Wille, die Knochen in Form zu bringen, die ursprünglichen Friedhöfe abzubilden und Sinnsprüche anzubringen: „Sie waren, was wir sind. Staub, Spielball des Windes; Zerbrechlich wie Menschen, schwach wie das Nichts“ (Lamartine).
Wenn du also weder unter Klaustrophobie leidest, noch Herzprobleme hast oder sagen wir mal… körperlich allzu „gut im Futter“ bist (wie Obelix‘ Bruder, der würde nämlich nicht durch die Ausgangstreppe passen!), dann mach das unbedingt!!!! Es lohnt sich absolut! Auch wenn sich maximal 200 Personen gleichzeitig im Tunnelnetz aufhalten, verläuft sich alles gut und es ist wirklich hervorragend gemacht!
Vergiss diese 3 Dinge nicht:
- frühzeitig kommen!!! sonst wartest du locker zwei Stunden,
- eine gute Taschenlampe einpacken,</r
- zu mehreren kommen, das macht mehr Spaß…
- ach ja, und unbedingt vorher noch mal auf Toilette gehen! Der Rundgang dauert zwar nur etwa 45 Minuten, aber morgens nach einer großen Tasse Kaffee könnte dir das verdammt lang vorkommen!!!! (Keine Panik, es gibt Toiletten im Laden gegenüber vom Ausgang: Denk daran, eine kleine Münze in die Kasse zu werfen, um dem Betreiber Danke zu sagen!).

Ein paar Fotos habe ich dir absichtlich vorenthalten, um ein bisschen Spannung und Überraschung zu bewahren – außerdem können Fotos diese eigenartige Atmosphäre ohnehin nicht wirklich einfangen! Viel Spaß bei der Besichtigung an alle!
Katakomben 1 avenue du Colonel Henri Rol-Tanguy 75014 Paris Öffnungszeiten: täglich von 10:00 bis 17:00 Uhr, außer montags und an Feiertagen / Kassenschluss um 16:00 Uhr Eintrittspreis: 13 € regulär und 11 € ermäßigt / kostenlos bis einschließlich 17 Jahre, für Arbeitslose, Menschen mit Behinderung und für die Freunde des Musée Carnavalet
Beitrag verfasst von Eloha / Fotos von Nicolas Diolez Alle Rechte vorbehalten, Fotorechte – vor jeder Verwendung ist die Genehmigung des Fotografen einzuholen







