Es kommt nicht jeden Tag vor, dass ich eine Adresse entdecke, die gefühlt jeder ausser mir schon kennt…
So ging es mir bei meiner Einladung zum Mittagessen im Bouillon Chartier vor ein paar Wochen… Als ich im Bekanntenkreis davon erzählte, hatte ich das Gefühl, alle meine Freunde wären dort schon mindestens einmal gewesen – und für mich war es das allererste Mal.
Dabei hätte ich gedacht, dass ich nach all den Jahren, in denen ich Paris und seine Restaurants durchforstet habe, früher oder später in dieser ehrwürdigen Pariser Institution gelandet wäre, aber Fehlanzeige…
Nun gut, man geht sicherlich nicht ins Bouillon Chartier, um Haute Cuisine zu geniessen (wobei das bei diesen Preisen auch ziemlich verdächtig wäre und man sich fragen würde, wo der Haken ist…), sondern man geht vielmehr wegen des Ortes hin, wegen der Atmosphäre und wegen gut zubereiteter Gerichte zu unschlagbaren Preisen.
Zur kleinen Geschichte: Das Bouillon Chartier wurde Ende des 19. Jahrhunderts von zwei Brüdern, Frédéric und Camille Chartier, in einer ehemaligen Bahnhofshalle unter dem Namen „Le Bouillon“ in der Nähe der Grands Boulevards, des Hôtel Drouot, des Musée Grévin und des Palais de la Bourse gegründet. In seiner über hundertjährigen Geschichte haben sich gerade einmal 4 Besitzer an der Spitze des Restaurants abgewechselt.
Heute entführen uns Architektur und Dekoration direkt in die Pariser Belle Époque, und das Gebäude steht übrigens seit 1989 unter Denkmalschutz.
Unbedingt ansehen: das Ballett der Kellner (etwa zwanzig pro Schicht), gekleidet in ihre traditionelle „Rondin“ (eine figurbetonte schwarze Weste mit vielen Taschen) und mit langer weisser Schürze.
Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis des Ortes: die hausgemachte Suppe, die jeden Tag aus frischem Gemüse zubereitet wird, für schlappe 1 €… da kann man meiner Meinung nach beim besten Willen nicht meckern. Selbst eine Industrisuppe im Supermarkt kostet mehr als das…
Da ziehe ich meinen Hut und ich glaube ernsthaft, dass das Bouillon Chartier meine neue Pariser Lieblings-Suppenbar wird (ja, ich liebe Suppe, na und?!).
Der Geheimtipp: Das Restaurant ist 365 Tage im Jahr geöffnet und bietet eine Karte mit traditioneller französischer Küche zu kleinen Preisen.
Was ich besonders typisch fand, ist die Tatsache, dass der Kellner, der sich um dich kümmert, deine Bestellung im Laufe des Essens einfach direkt auf die weisse Papiertischdecke schreibt. Das verleiht dem Ganzen einen herrlich authentischen und unprätentiösen Charme.
Gut, noch eine letzte kleine Empfehlung: Das Bouillon Chartier ist mit Sicherheit nicht der ideale Ort für ein intimes Date zu zweit. Wenn ihr zu zweit seid, werdet ihr wahrscheinlich an einen Tisch mit Fremden gesetzt, aber genau dieser gesellige Geist macht den Charme dieses etwas lauten Ortes aus (er bietet schliesslich Platz für 320 Gäste!), was jedoch auch zum Charme der Pariser Brasserien dazugehört.
Mein Tipp: Das Restaurant nimmt keine Reservierungen an. Entweder du gehst also früh hin (zum Beispiel vor 12:30 Uhr zum Mittagessen) oder du stellst dich eben an (aber dank des schnellen Tempos geht das eigentlich recht zügig).
Bouillon Chartier
7 Rue du Faubourg Montmartre, 75009 Paris
Täglich geöffnet, durchgehend von 11:30 bis Mitternacht ohne Reservierung
Preise: rechne mit 1 € bis 13,20 € für Vorspeisen / 8,70 € bis 11,80 € für ein Hauptgericht / 2,50 € bis 5 € für ein Dessert
Entdecke hier unten alle meine Restaurant-Tests in Paris :
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